Der umfassende Sinn von Bürgerschaft

Quelle: Text aus der Predigt der Serie „Die Apokalypse Jesu für die im Herzen Einfachen“ - vorgestellt in Radio, Fernsehen und Presse, in den 1990er Jahren. | Aktualisiert im November 2018.

Die wachsende Reife eines Volkes, das seine Bürgerrechte, wenn auch verspätet, zweihundert Jahre nach der Französischen Revolution (wir befanden uns im Jahr 1991) entdeckt, wird dieses schließlich zu dem Schluss kommen lassen, dass kein Land seine Talente tatsächlich entfalten kann, wenn es weiterhin in einem System der Sklaverei, mit Herrschaft und Sklaven weiterlebt, oder wenn es sich wie eine fremdenfeindliche Auster verschließt oder sich leichtsinnigerweise öffnet, bis hin zum Verlust seiner Identität und Souveränität.

Das Verständnis der Massen wird reifen, bis sie den Wert der Staatsbürgerschaft im weitesten Sinne verstehen, denn es genügt nicht, den Bürger nur in seinem physischen Kontext, sondern auch im spirituellen zu betrachten, denn jede Komponente der menschlichen Gruppierungen wird, kurz gesagt, durch Körper und Seele gebildet. Schließlich sind wir im Ursprung Geist. Das ist der vollkommene Sinn der Bürgerschaft, die nicht nur den Analphabetismus, was die menschliche Schrift angeht, sondern auch die Unwissenheit über spirituelle Angelegenheiten nicht zulassen kann.

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Diese Realität, über die wir gerade gesprochen haben, nicht zu kennen, begünstigt die Zunahme von Handlungen, die für Hunger, Arbeitslosigkeit, die Entstehung von Sekten, kalten individualistischen, d.h. egoistischen Idealismus verantwortlich sind, das heißt die Verhöhnung von allen, die in der Gesellschaft leiden *¹, weil Reichtum und Armut im Menschen selbst angesiedelt sind; sie nach außen zu tragen oder auch nicht, hängt von der Mentalität und von kulturellen Faktoren (in naher Zukunft, ausgesprochen spirituellen) ab, die es zu verwirklichen gilt. Diese Entwicklung betrifft nicht nur Brasilien selbst, sie ist ein globales Phänomen: Seit Generationen wird Kindern und Jugendlichen kaum mehr als Müll angeboten. Und dennoch gibt es Menschen, die überrascht sind von dem Ergebnis einer so katastrophalen Aussaat, der Kultur des Verbrechens (die Konflikt zwischen den Völkern, aber auch innerhalb der Familie oder innerhalb desselben Lands zulässt, echte nicht erklärte Bürgerkriege), deren Hauptopfer die Jugend ist (wie es in der Offenbarung des Johannes, 8 beschrieben wird), und die viele weitere Konflikte in allen Gesellschaftsschichten verursacht. Es reicht nicht aus, das Seitenfenster im Auto hochzukurbeln. Es ist Selbstmord, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen. Noch nie war es eine besonders wirksame Lösung, den Kopf in den Sand zu stecken, so wie der Vogel Strauß. (...)

tela: Jacques Louis David (1748-1825)

Napoleon Bonaparte

 Napoleon Bonaparte (1769-1821) liegt somit mit diesem Gedanken nicht ganz falsch: „Jede in der Jugend verlorene Stunde führt möglicherweise zu einem Unglück im Erwachsenenalter".

Dies gilt auch für Nationen, die entstehen, wachsen und reifen, und wenn sie dann das ernten werden, was sie in den vorangegangenen Phasen gepflanzt haben. Oder auch nicht, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie ihm Ehre erweisen und ihren spirituellen, sozialen und menschlichen Reichtum vergrößern *². Dies ist die Herausforderung, die es im Bereich von Erziehung und Bildung zu bewältigen gilt: die Verbindung von Ausbildung mit der ökumenischen Spiritualität. Wir, von der Legion des Guten Willens (LGW), sind uns absolut sicher, dass das Evangelium und die Offenbarung des Johannes (Apokalypse) eine geistliche, psychische und ethische Basis bieten, damit diese Umwandlung stattfinden kann, deren Stunde mehr als dringend gekommen ist.

Deshalb habe ich in einem Interview mit dem renommierten Journalisten Ibrahim Sued *³ (1929-1995) über die zukunftsweisende Pädagogik gesprochen, die wir in der LGW anwenden, indem wir Ethik und Unterricht verbinden, um den ökumenischen Bürger zu formen. Ich werde hier einige Auszüge aus dem vorstellen, was ich dem inzwischen verstorbenen Ibrahim Sued als Antwort auf dessen These gesagt habe:

Letztes Interview mit Ibrahim Sued

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Ibrahim Sued – Ich weiß, dass die Legion des Guten Willens ein innovatives pädagogisches Konzept hat. Welche Lösung hat die LGW zur Lösung des Bildungsproblems in Brasilien?

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André Luiz und Chico Xavier

Paiva Netto – An erster Stelle steht die Liebe, die wir sonst meist nicht ausreichend wertschätzen, in der Definition von Laura, Mutter des Krankenpflegers Lísias, einer Romanfigur aus dem Buch Nosso Lar (Eine spirituelle Heimat), von Dr. André Luiz, in der Psychographie von Chico Xavier (1910-2002): „Das Göttliche Brot der Seelen, die Erhabene Nahrung der Herzen“.

Liebe versus Nachsichtigkeit

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Aristóteles

Nun, mein lieber Ibrahim, sehr oft spüren wir die Auswirkungen der fehlenden Liebe. Es gibt nichts Pädagogischeres als die brüderliche Liebe, sofern sie energisch und gerecht ist. Natürlich kann man die Liebe nicht mit der Duldung von Fehlern verwechseln. Viele Menschen  sind der Meinung, dass Liebe darin besteht, in allem zuzustimmen, auch zu dem, was falsch ist. Dabei bedeutet Liebe genau das Gegenteil, liebt man jemanden, muss man seine Fehler großzügig, aber mit bedachter Strenge korrigieren. (....) Aristoteles (384-322 v. Chr.) warnte, dass „alle, die über die Kunst der Herrschaft über die menschliche Rasse nachgedacht haben, am Ende davon überzeugt sind, dass das Schicksal der Imperien von der Erziehung der Jugend abhängt“. Aber wo beginnt die eigentliche Erziehung? (....) In der Pädagogik der Legion des Guten Willens, die die solidarische Gesellschaft predigt, wollen wir den ökumenischen Bürger formen, d.h. den Menschen, der über die bloße Kompetenz hinausgeht, denn viele Menschen, die als solche betrachtet werden, bringen die Welt in eine Situation der Katastrophe und Gefahr. Der ökumenische Bürger ist ein solidarischer Bürger, er ist also nicht egoistisch. Er lässt sich nicht vom Fanatismus verführen, weil er versteht, dass es keinen Sinn macht, im Namen Gottes zu hassen, der ja die Liebe ist. Kurz gesagt, er weiß, wie man das heilige menschliche Geschöpf ohne Vorurteile oder Sektierertum respektiert. Wer ethisch handelt, darf nicht feige sein. Wenn das Territorium nicht durch das Gute verteidigt wird, machen die Bösen den Sieg der Ungerechtigkeit „gerecht“.

Roosevalt Caetano

Gilberto Amaral

(....) Eigentlich, mein lieber Ibrahim, ist der Vorschlag der LGW ein großartiges Programm der Umerziehung. Und das haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten getan, um das Interesse so vieler idealistischer Menschen zu wecken, die wie wir nicht an die Fatalitäten der zum Unglück verurteilten Schicksale in sozialen, politischen, religiösen und ethnischen Fragen glauben… Außerdem ist hierbei nichts auf Zwang aufgebaut. Diese ständige Arbeit der LGW zur Umerziehung des Menschen hat den Journalisten Gilberto Amaral aus Brasília so sehr beeindruckt, dass er in der Correio Braziliense erklärte: „Die Legion des Guten Willens zeigt dem Land klar und deutlich, wie man unterrichtet, insbesondere die Ärmsten“ (....).

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Anmerkung des Herausgebers

Bürgerschaft im umfassenden Sinn: Körper und Seele, eine vollständige Bürgerschaft Siehe Heilige Spirituelle Richtlinien der Religion Gottes, Christi und des Heiligen Geistes, Band 2, S. 41 – „Wie weit Regierungen gehen“, von Paiva Netto.

*² Das Erbe eines Volkes ehren und bereichern – Nach Paiva Netto „reicht es zu dessen Entwicklung nicht aus, nur zu unterrichten und auszubilden, sondern es ist notwendig, die Massen zu spiritualisieren. Dies ist die Mission des LGW: Soziale und nachhaltige Entwicklung, Bildung und Kultur, Kunst und Sport mit ökumenischer Spiritualität zu fördern, damit es im Erwachen des planetarischen Bürgers für alle ein sozial-ökologisches Bewusstsein, Nahrung, Sicherheit, Gesundheit und Arbeit gibt“.

*³ Ibrahim Sued - Er gilt als der Pionier der Gesellschaftskolumne in Brasilien. Wenige Jahre nach seinem Einstieg in den Print-Journalismus erweiterte er seine Kolumne um Themen von nationalem und internationalem Interesse. Das Interview mit dem Direktor und Vorsitzenden der LGW war Ibrahims dritte große Reportage dieser Art in seiner langen und erfolgreichen Karriere.

José de Paiva Netto ist Schriftsteller, Journalist, Rundfunksprecher, Komponist und Dichter. Er ist Vorsitzender der Legion des Guten Willens (LGW) und aktives Mitglied der Brasilianischen Pressevereinigung (ABI), der Brasilianischen Vereinigung der Internationalen Presse (ABI-Inter). Er ist der Nationalen Föderation der Journalisten (Fenaj) angeschlossen, der International Federation of Journalists (IFJ), dem Verband für Berufsjournalisten im Bundesland Rio de Janeiro, dem Schriftstellerverband von Rio de Janeiro, dem Verband der Rundfunksprecher im Bundesland Rio de Janeiro, sowie der Brasilianischen Union der Komponisten (UBC). Gleichfalls ist er Mitglied der Akademie für Literatur Zentralbrasiliens. Er ist internationaler Referenzautor für die Verteidigung der Menschenrechte und für die Konzeptualisierung und Verteidigung der Sache der Bürgerschaft und Ökumenischer Spiritualität, die, nach seiner Auffassung, „die Grundlage der großzügigsten Werte darstellen, die aus der Seele erwachsen, der Wohnstatt der von Intuition erleuchteten Emotionen und Reflexionen, der Umgebung die all das umfasst, was den vulgären Bereich der Materie überschreitet und aus der sublimierten menschlichen Sensibilität entstammt, wie beispielsweise Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Ethik, Rechtschaffenheit, Großzügigkeit und die Brüderliche Liebe.“