Das Web, Erziehung und Macht

Aus der Tageszeitung „A Tribuna“, aus Santo Ângelo, Brasilien, vom Freitag, den 6. März 2015

Es ist nichts neues, dass sich das Internet in Brasilien, in unserem Alltag, zu einem unerlässlichen Werkzeug entwickelt hat. Indem wir uns ins Internet einwählen, werden Grenzen eingerissen, die bis dahin für die meisten unserer Mitbürger als unüberwindlich galten. Allerdings, so habe ich bereits darauf aufmerksam gemacht – eben auch hinsichtlich eines guten Gebrauchs des Cyberspace – dass Bildung Macht bedeutet. Ohne die nötige Einweisung, verbunden mit Ökumenischer Spiritualität, kann die Nutzung dieses einflussreichen Hilfsmittels desaströs sein.

Vivian R. Ferreira

Dr. Lilian Castelani

Frau Dr. Lilian Castelani, eine Spezialistin für Internet- und Arbeitsrecht, aus São Paulo, Brasilien, veröffentlichte vor ein paar Monaten einen Kommentar, der von wiederholtem Interesse für die Familien ist: „Die Hauptgefahr stellt hierbei die übermäßige Exposition in der virtuellen Welt dar. Die Leute sind einfach nicht darauf vorbereitet, um das Internet zu nutzen. Man sollte ein größeres Verantwortungsgefühl dafür haben, was man von sich preisgibt, hauptsächlich in den sozialen Netzwerken, in denen wir Ideen darlegen, Bilder von unseren Familienangehörigen und von uns selbst zeigen können. Hierbei ist es wichtig dasjenige anzupassen, was tatsächlich öffentlich gemacht werden soll, denn, was sich einmal im Internet befindet, das kann die ganze Welt sehen. Informationen können sich äußerst schnell weiterverbreiten und Informationen sind heutzutage sehr wertvoll.“

Also empfiehlt Dr. Castelani: „Sei es nun in den sozialen Netzwerken oder wenn Sie irgendetwas übers Internet einkaufen, so muss zuallererst sichergestellt sein, dass die betreffende Webseite auch seriös ist und die Benutzungsbedingungen dem entsprechen, was Sie für richtig empfinden. Hierbei ein wenig Sorgfalt walten zu lassen, ist für die Sicherheit ihrer Privatsphäre unerlässlich. Andernfalls könnten Sie ein Opfer von Betrügern werden und selbst daran schuld sein.“

Auch der Respekt vor dem Nächsten wird von der Rechtsanwältin hervorgehoben: „Es ist auch wichtig zu wissen, ob etwas, das Sie ins Internet stellen, nicht jemand anderen verletzen könnte, oder ob es für jemanden, oder sogar für Sie selbst, von Nutzen ist.

Shutterstock

Jetzt aufgepasst, meine lieben jungen Freunde, zu dem, was Dr. Castelani zu sagen hat: „Oftmals posten die Leute intime Bilder und wissen nicht, was für Auswirkungen dies im Internet haben kann. Mit nur einem Mausklick verbreiten sie sich dann unter Millionen von Usern, und man kann es nicht abschätzen zu wie vielen noch. Dies dann aus dem Internet löschen zu wollen, das wird dann äußerst schwierig! Dinge, die gegen das Gesetz verstoßen, die schafft man zu löschen, aber Dinge die man selbst ins Internet gestellt hat, das wird kompliziert, und man läuft Gefahr Opfer von Cyberbullying und anderen Demütigungen zu werden. Auch sollte man etwas Vorsicht walten lassen, wenn man sehr polemische Meinungen von sich gibt. Man sollte also schon einige Vorsicht walten lassen, wenn man etwas von sich im Internet preisgibt.“

José Gonçalo

Der Soziologe Daniel Guimarães, aus der Sendung Solidarische Gesellschaft, des Senders Guter Wille TV, beschrieb Frau Dr. Castelani die Lage, wie sie ist: „Kinder und Jugendliche sind begeisterte User dieser Technologien. Es ist normal, dass sie diese Technologie besser beherrschen, als ihre Eltern, wobei sie allerdings im Allgemeinen nicht die genügende Reife besitzen, um die Frage der Grenzziehung zu verstehen.“

Die Spezialistin für Internetrecht rät also, dass „die Eltern auf die Routine des Kindes achtgeben sollen. Z. B. nicht den Computer, der am meisten benutzt wird, abseits, in einem geschlossenen Raum aufzustellen, sondern an einem Ort der öfters frequentiert wird. Nun gut, es ist alles nicht so einfach: heute gibt es ja auch Smartphones und Tablets. Die Aufmerksamkeit eines Vaters aber sollte immer größer sein und das Verhalten des Kindes beobachten und mit ihm reden. Meiner Meinung nach würde ein Verbot das Kind nur der heutigen Gesellschaft entfremden, denn es ist ja in das soziale Umfeld des Virtuellen mit einbezogen. Man kann also, anhand von Gesprächen, Eltern und Kinder näher zusammenbringen. Man muss aber auch verstehen, dass für etwas, was das Kind getan hat, auch dessen Vater gerichtlich belangt werden können, denn dieser trägt die Verantwortung für seinen Sohn. Ein Vater darf nicht müde nach Hause kommen und sogleich schlafen gehen. Nein! Wir müssen wissen, wie der Tag seines Sohnes verlaufen ist und schauen, ob er sich mehr oder weniger geärgert hat. Meiner Meinung nach sind es diese Gespräche innerhalb der Familie, die zu einer größeren Verantwortung führen.“

Für Dr. Castelani, ist „Erziehung das Motto.“ Dies ist der Weg um kriminellen Handlungen vorzubeugen, die es nach ihrer Meinung, „ja gibt und die dieselben sind, wie immer, nur die Mittel sind verschieden. Denn heutzutage haben wir digitale Werkzeuge, die eine viel weitreichendere Verbreitung von Straftaten erlauben. Sich selbst zu erziehen, um mit dem Internet umgehen zu können, das bedeutet eine große Sicherheit. Seine Privatsphäre zu schützen und aufpassen, was man preisgibt, das sind nur konsequente Maßnahmen, um sich in dieser virtuellen Welt bewegen zu können.“

Vielen Dank an Frau Dr. Castelani, für diese Erklärungen mit großem sozialen Nutzen.

José de Paiva Netto ist Schriftsteller, Journalist, Rundfunksprecher, Komponist und Dichter. Er ist Vorsitzender der Legion des Guten Willens (LGW) und aktives Mitglied der Brasilianischen Pressevereinigung (ABI), der Brasilianischen Vereinigung der Internationalen Presse (ABI-Inter). Er ist der Nationalen Föderation der Journalisten (Fenaj) angeschlossen, der International Federation of Journalists (IFJ), dem Verband für Berufsjournalisten im Bundesland Rio de Janeiro, dem Schriftstellerverband von Rio de Janeiro, dem Verband der Rundfunksprecher im Bundesland Rio de Janeiro, sowie der Brasilianischen Union der Komponisten (UBC). Gleichfalls ist er Mitglied der Akademie für Literatur Zentralbrasiliens. Er ist internationaler Referenzautor für die Verteidigung der Menschenrechte und für die Konzeptualisierung und Verteidigung der Sache der Bürgerschaft und Ökumenischer Spiritualität, die, nach seiner Auffassung, „die Grundlage der großzügigsten Werte darstellen, die aus der Seele erwachsen, der Wohnstatt der von Intuition erleuchteten Emotionen und Reflexionen, der Umgebung die all das umfasst, was den vulgären Bereich der Materie überschreitet und aus der sublimierten menschlichen Sensibilität entstammt, wie beispielsweise Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Ethik, Rechtschaffenheit, Großzügigkeit und die Brüderliche Liebe.“